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Neues Buch: Kant kocht türkisch

Kant und die Kritik der Kochkunst

Komplexer Denker, der Freunde, Essen und Trinken schätzt

Als Neue Welt Verlag freuen wir uns sehr, Immanuel Kants kritische Philosophie im Spiegel der türkischen Küche unter dem Titel „Kant kocht türkisch“ herauszugeben. Kant (1724–1804) würde im Jahre 2024 dreihundert Jahre alt werden. Über den Aufklärer des Abendlandes, der auch dem Orient sehr positiv gestimmt war, wird es in den nächsten Jahren viel zu lesen und zu hören geben. Der 300. Geburtstag (22. April 2024) des Königsberger Philosophen wird zumindest gedanklich vielerorts schon vorbereitet. Wir als Neue Welt Verlag aus Wien haben schon im vergangenen Jahr mit großer Ehre ein Buch über Kant mit dem Titel „Kants Wanderung über das Nebelmeer“ herausgegeben und dieses im Palais Eschenbach mit einem würdigen Abend vorgestellt.

http://neueweltverlag.at/einladung-neues-buch-kants-wanderung-ueber-das-nebelmeer/

Dieses Mal möchten wir den großen Denker und den Begründer der modernen Philosophie mit dem Buch „Kant kocht türkisch“ wieder in Ehren halten und in Erinnerung rufen. Besonders seine Moral- und Ethikphilosophie, beginnend mit seinem kategorischen Imperativ mit dem konstanten „guten Willen“ und Pflichtbewusstsein, wird in unserer immer scheinheiliger werdenden Welt wieder bedeutsamer. Ist nicht die Scheinheiligkeit aber die Sprache der Korrupten? Gibt es eine Wahrheit ohne Liebe? Ist nicht die Liebe und der „gute Wille“ mit Pflichtbewusstsein  die erste Wahrheit? Diese Fragen, die auch knapp 300 Jahre später noch von großer Wichtigkeit sind, stellte sich Kant bei seinem berühmten kantischen Tisch de facto jeden Tag beim Mittagessen in Königsberg.

Immanuel Kant war der wichtigste neuzeitliche Philosoph, der versuchte, eine allgemein gültige Formel zur Herleitung moralischer Gesetze zu finden.  Der kategorische Imperativ von  Kant lautet : Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte. Dieser Satz ist der Versuch, einen Maßstab für gerechtes Handeln zu finden. Laut Winfried Hassemer  Richter des Bundesverfassungsgerichts und Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie  soll der Mensch nach Kant aus sich heraustreten und sich in andere Menschen hineinversetzen dann weiß er von selbst, wie er sich verhalten muss. Nichts anderes sagt das Sprichwort: Was du nicht willst, dass man dir tu‘, das füg auch keinem andern zu. Dieses Prinzip ist die Grundlage jeglichen Rechtssystems. Der Haken: Es geht von einem optimistischen Menschen aus.  Etwa gegenüber dem Selbstmörder, der sich und andere umbringen will, funktioniert es nicht.

Das Wort Philosoph setzt sich nicht umsonst aus den griechischen Worten Philos (Freund) und Sophia (Weisheit) zusammen. Der kritische Königsberger war tatsächlich ein großer Freund der Weisheit, aber im Herzen auch vor allem ein moralischer Verfechter. Wir möchten bis zum Jahre 2024 mehrere Bücher über Kant herausgeben, um damit seinen schon zu Lebzeiten erworbenen Ruf eines „Weltweisen“ erneut in Erinnerung zu rufen und von seinen zeitlosen Ideen nicht nur Gebrauch zu machen, sondern diese auch zu propagieren. So enthält seine „Kritik der praktischen Vernunft“ eine Lobrede der Pflicht und schließt mit folgenden defätistischen, aber göttlichen Worten ab: „Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit einer immer neuen Bewunderung und Ehrfurcht: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir.“

Seit der Geburt Jesu wurde die Moraldiskussion fast ausschließlich im christlichen Geiste geführt, Moral wurde aus der Bibel abgeleitet und die Nichtbefolgung dieser ethischen Normen hatte unweigerlich die Bestrafung im nächsten Leben oder in der Hölle zur Folge.

Kant löst diese Diskussion von der Bibel, aber auch von jeglichem Eigennutzdenken, er will ein universelles Gesetz aufstellen, das immer gültig ist und nur durch die Vernunft bestimmt wird. Wichtig ist danach immer nur die Befolgung der Pflicht! Wobei Kant nur die allgemeinen Grundsätze aufstellt. Nie wird er konkret und beschreibt welche Handlungen gut sind oder welche moralische Einstellung sittlich ist. Die Menschen sollen auch nicht aus Überzeugung moralisch handeln, auch nicht aus Mitleid, nein es ist keine moralische Motivation nötig. Wichtig ist danach immer nur die Befolgung der Pflicht! Es fragt sich inwieweit es heute gelingen würde eine Ethik aufzustellen, die nur aus Pflichten besteht, und die moralischen Gesetze theoretisch ohne Bezug zur Realität ableitet!

Kritik der Kochkunst

Warum aber wird in diesem Buch Kant mit der türkischen Küche in Verbindung gebracht?

Die Antwort findet sich in der Bedeutung, die Essen für den großen Denker hatte.

Kant beschäftigte sich nicht nur mit der richtigen Ernährung, sondern auch mit den Umständen, die die Mahlzeit begleiten sollten. Da er sich äußerst tiefgehend mit diesen Themen auseinandersetzte, wurde ihm von seinen Zeitgenossen sogar nahegelegt, eine „Kritik der Kochkunst“ zu verfassen.

Kant hatte schon früh beschlossen, ein langes Leben zu führen. Bei der Umsetzung dieses Vorhabens stütze er sich stark auf das seinerzeit äußerst bekannte Buch „Die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern“ (1796) des Arztes Christoph Wilhelm Hufeland (1762–1836), zu dessen Patienten auch Goethe, Schiller, Herder und Wieland zählten. So postulierte Hufeland beispielsweise, „wer alt werden will, der esse langsam“[i], und Kant nahm sich dies zu Herzen. Einer der zahlreichen, unterschiedlichen Gäste an Kants Mittagstisch beschrieb Kants Verhalten bei Tisch folgendermaßen: „Er aß nicht nur mit Appetit, sondern mit Sinnlichkeit […] Der untere Teil seines Gesichts, die ganze Peripherie der Kinnbacken drückte die Wollust des Genusses auf eine unverkennbare Weise aus“.[ii]

Was dieser Gast anscheinend nicht wusste war, dass Kant zu diesem Zeitpunkt gewohnheitsgemäß seit etwa 24 Stunden nichts gegessen hatte – was wohl auch zu seiner genüsslichen Art zu essen beitrug. Nach Ansicht des Philosophen sei nämlich eine Mahlzeit täglich dem Körper zuträglicher als mehrere, wie er auch in einem Antwortschreiben auf Hufelands Buch, welches im Journal der practischen Arzneykunde und Wundarzneykunst erschien, explizit erklärte.[iii] Allgemein propagierte Kant in diesem Antwortschreiben die Einhaltung eines strikt regulierten Tagesablaufs, wie er ihn selbst auch pflegte. Er ließ sich täglich gegen 4:45 Uhr wecken, machte abends zu einer festgelegten Zeit seine Spaziergänge und ging pünktlich um 22 Uhr zu Bett. Ein ausgedehntes Mittagessen, zu dem regelmäßig Gäste geladen waren, rundete den Tagesablauf ab.

Niemals alleine zu speisen

Kant hatte nicht nur sehr konkrete Vorstellungen hinsichtlich der richtigen Ernährung, sondern auch die begleitenden Umstände des Mittagsmahls betreffend. Wichtig war für Kant, niemals alleine zu speisen. An einem verlassenen Esstisch mit seinen Gedanken alleine zu bleiben sei erschöpfend, befand er, weshalb er großen Wert auf mittafelnde Gäste legte, die mit ihrer Unterhaltung Zerstreuung versprachen. Auch über das Tischgespräch stellte Kant Überlegungen an. So war es für ihn essenziell, dass alle bei Tisch sich miteinander unterhalten konnten und die Gesellschaft nicht in kleinere Grüppchen zerfiel. Dies hatte natürlich auch Auswirkungen auf die Anzahl der jeweils geladenen Gäste, die sich stets zwischen der Zahl der Grazien und derjenigen der Musen bewegen sollte. Kant selbst hatte in seinem Haushalt sechs Gedecke – die goldene Mitte also.

Die Unterhaltung bei Tisch sollte als Spiel angesehen

Ein weiterer wesentlicher Aspekt des Tischgesprächs war für Kant, dass dieses mit einer gewissen Leichtigkeit und Freiheit einhergehen sollte. Die Unterhaltung bei Tisch sollte als Spiel angesehen werden, bei dem keine Streitigkeiten entstehen sollten. Bildete sich doch einmal eine ernsthafte Auseinandersetzung, konnte diese am besten mit einem Scherz beendet werden, um gegensätzliche Ansichten zu versöhnen. Die gemeinsame Mahlzeit stellte also den Rahmen für einen Meinungsaustausch zur Verfügung, in dem nicht jedes Wort auf die Waagschale gelegt werden sollte. Nicht die ernsthafte, tiefgründige Auseinandersetzung mit Argumenten und Gegenargumenten steht im Zentrum des Gesprächs, und das gemeinsame Mahl soll auch nicht allein „die leibliche Befriedigung, – die ein Jeder auch für sich allein haben kann – sondern das gesellige Vergnügen […] zur Absicht haben“.[iv]

Bei Tisch: So vergrößerten sich mit den Jahren auch Kants Kenntnisse

Bei Kants mittäglichen Zusammenkünften achtete der Gastgeber darauf, seine Gäste mit viel Sorgfalt auszuwählen und auch unterschiedliche Leute um sich zu scharen. So war es nicht ungewöhnlich, dass die Tischgesellschaft aus Leuten aus verschiedenen Ständen zusammengesetzt war. Auch achtete Kant darauf, kontrastierende Meinungen zu versammeln, um so die Gespräche bei Tisch abwechslungsreich und anregend zu halten. So vergrößerten sich mit den Jahren auch Kants Kenntnisse in vielen Bereichen und er war bekannt dafür, über jedes beliebige Thema ausgiebig sprechen zu können. Dabei wurde ihm allerdings immer wieder vorgeworfen, er wolle das Gespräch bestimmen und müsse immer Recht haben. Besonders gut zeigt sich dies am Beispiel des steirischen Grafen Gottfried Wenzel von Purgstall (1773–1812). Als dieser sich in Königsberg aufhielt, wurde er von Kant eingeladen, war jedoch im Nachhinein verärgert über seinen Gastgeber, der unaufhörlich redete und alles besser zu wissen schien. Kant widersprach Purgstall selbst in Belangen, die die Steiermark, also die Heimat seines Gastes, betrafen.

Kants Wissen war äußerst umfassend und beschränkte sich nicht nur auf Dinge, mit denen er unmittelbar konfrontiert war. So hielt er z.B. in Königsberg Vorlesungen über physische Geographie, was die Geographie in den Kreis der akademischen Disziplinen einführte. Dabei erstaunte er seine Zuhörer, zu denen auch Johann Gottfried von Herder zählte, mit äußerst klaren Vorstellungen und Beschreibungen über entlegene Länder und Gebiete. Diese Kenntnisse eignete er sich durch die Lektüre zahlreicher Reisebeschreibungen an.[v]

Neue Welt: Er reiste nicht körperlich aber gedanklich doch sehr weit in die Ferne

Obwohl sich Kant selbst physisch nie weit oder für längere Zeit von seiner Heimatstadt entfernte, reiste er gedanklich doch sehr weit in die Ferne. Sein Interesse diesbezüglich liegt wohl zum Teil in seiner unmittelbaren Umgebung begründet. Königsberg war zu Kants Zeit eine bedeutende Handelsstadt, das wirtschaftliche Zentrum des östlichen Ostseeraumes. Tagtäglich war Kant schon früh mit Menschen und Waren aus fernen Ländern, wie beispielsweise exotischen Gewürzen, konfrontiert und lernte so über die Hafenstadt die Welt kennen. Dadurch wurde sicher auch sein internationales Denken über das Zusammenleben und die Moralphilosophie beeinflusst.

Damit passt Kant hervorragend in die Verlagsphilosophie des Neue Welt Verlags, der dabei helfen soll, die oft vermeintlichen kulturellen Schranken zu überwinden, damit Hass, Vorurteile und Intoleranz endlich der Vergangenheit angehören. Dieser Herausforderung möchten wir uns stellen, auch wenn uns bewusst ist, dass dieser Weg kein einfacher ist. Wir möchten Brückenbauer zwischen den Kulturen, Religionen und Standpunkten sein. Kant soll hier als gutes Beispiel dienen und als Vorbild vorangehen. Er war ein aufgeschlossener Mensch, wie sich schon an den unterschiedlichsten Gästen zeigte, die er zum Essen einlud. Ohne Königsberg zu verlassen, knüpfte er Verbindungen zu fernen Ländern, über die Vielfalt, die er in seiner Heimatstadt kennenlernte. Er hieß die Welt und was sie zu bieten hatte willkommen und zeigt uns damit, dass es nicht nötig ist, die Welt zu bereisen, um weltgewandt zu sein. Dafür reicht alleine der Mut, sich auf Neues und bisher Unbekanntes einzulassen.

Orient-Okzident! Morgenland-Abendland

Türkische Küche(Orient) und Kant(Okzident) – wo sind die Verbindungen? Wie lässt sich das „aufklären“? Gerade in unserer heutigen Zeit, die leider immer wieder stark von Intoleranz und Ignoranz geprägt ist, ist es besonders wichtig, Ausschau nach Gemeinsamkeiten statt Unterschieden zu halten. Diese Gemeinsamkeiten lassen sich oft in Dingen finden, die unbedeutend erscheinen, es aber beileibe nicht sind. Kants Vorstellung einer Tischgesellschaft soll hier als Exempel dienen um mit Vernunft und Verstand wieder zusammen zu kommen. Für den deutschen Philosophen standen Geselligkeit und Unterhaltung im Mittelpunkt der gemeinsamen Mahlzeit – eine Einstellung, wie sie uns auch aus der Türkei bekannt ist. Gleiche Ideen und Vorstellungen können also unabhängig von räumlichen und kulturellen Gegebenheiten vorhanden sein.

Kants lieblingsspeise, den Kabeljau nennt auch Turska (Türkei) 

Auch über Kants Lieblingsspeise, den Kabeljau, lässt sich auf etymologischer Ebene eine interessante internationale Brücke bauen. So heißt der bei uns auch als Dorsch bekannte Fisch im Finnischen turska – was auf Kroatisch Türkei bedeutet. In den kontinentalskandinavischen Sprachen, also Dänisch, Schwedisch und Norwegisch, wird der Kabeljau torsk genannt, was mit der finnischen Variante nahe verwandt ist. Jedoch endet die Verbindung Skandinaviens zur Türkei nicht hier. Der altnordischen Mythologie nach stammen die skandinavischen Götter ursprünglich aus Asien, genauer gesagt der Türkei. Der Göttervater Odin(Woden, Wōden)  wird in der Forschung oft mit einem türkischen Schamanen gleichgesetzt. Durch ihn und seinesgleichen etablierten sich viele türkische Wörter in den skandinavischen Sprachen, allen voran der Name Odins selbst, der sich aus dem türkischen Wort „Odun“ (Holz , Baum) ableiten lässt und an den Lebensbaum sowie die Naturverbundenheit des schamanischen Lebens erinnert. Mit diesem Thema werde ich mich jedoch demnächst in einem eigenen Buch beschäftigen.

Aufklärung

Nach Kant muss man die Frage, ‘Was ist der Mensch?“, auf drei Weisen hin untersuchen:  „Was kann ich wissen?“ (Metaphysik), „Was darf ich hoffen?“ (Glaube) und die für uns entscheidenden Frage: ‘Was soll ich tun?“ Warum ist die Philosophie Immanuel Kants aktueller denn je? Wir können es ganz einfach beantworten: Wegen sein Begriff der „Pflicht gegen sich selbst: Seine Forderungen waren mutig und revolutionär. 231 Jahre nach seiner berühmten Antwort auf die selbst von ihm gestellte Frage „Was ist Aufklärung?” ist seine Philosophie brandaktuell:

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeitist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitungeinesandern zu bedienen. Selbstverschuldetist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache de selben nicht aus Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. ‚Sapereaude! HabeMut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!‘ ist als oder Wahlspruch der Aufklärung.“


Diese Worte, die Kant formulierte, sind heute noch genauso aktuell wie zu Lebzeiten des großen Philosophen und sollten viel öfter Beachtung finden. Es ist noch ein weiter Weg dahin, uns als tatsächlich aufgeklärte Gesellschaft bezeichnen zu können. Wir alles Neue Welt Verlag möchten mit diesem Buch einen Schritt in die richtige Richtung wagen.

Unsere Verlagsphilosophie war und ist:  „Aufklärung statt Vernebelung,  Tiefenschärfe statt Oberflächenpolitur,  Empathie statt Egomanie,  Auseinandersetzung statt Belehrung,  Differenzierung statt Vereinfachung. Analyse statt Infotainment.“

Der Neue Welt Verlag will zeitgemäße Themen anbieten: Politik, Zeitgeschichte, Religion, Philosophie, also Wissenswertes aber auch Unterhaltsames sowie Autoren unterschiedlichster Kulturen und Religionen in den Brennpunkt des Leserinteresses rücken. Denn ohne es zu wissen, sind wir eigentlich alle Philosophen.  Gerade in der Auseinandersetzung mit den verschiedenen Traditionen des Islam, mit dem Christentum und mit dem Judentum scheint mir der Kant’sche Ansatz plausibel. Kant hat nicht den Talmud, die Bibel, das Neue Testament oder den Koran verworfen, vielmehr begab er sich auf die Suche nach der Wahrheit über die im Menschen tief schlummernden Werte, die Tugenden, die Seele und das Gefühlsleben. Er eröffnete damit einen weiteren Weg, um unseren Zweifeln im Glauben zu begegnen.

Marianne Williamson schreibt in ihrem Buch „A return to love“:   „Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit“.  Ist es tatsächlich die Angst vor dem Licht, nicht vor der Dunkelheit, die wir philosophisch fürchten?

Wir sollten doch vor unserem Licht und vor anderen keine Angst haben!  Dieses Kantbuch soll uns in diesem Sinne die Angst nehmen, die uns gelegentlich überkommt, wenn wir einen Gedanken nicht ausreichend fassen können oder einen Begriff vorschnell abgrenzen oder erst gar nicht verstehen.

Kurz, es soll uns auch zum Selbstdenken anregen. „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.    Zu dieser Aufklärung aber wird nichts erfordert als Freiheit; und zwar die unschädlichste unter allem, was nur Freiheit heißen mag, nämlich die: von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlichen Gebrauch zu machen…Leben wir jetzt in einem aufgeklärten Zeitalter?  So ist die Antwort: Nein, wohl aber in einem Zeitalter der Aufklärung,“ sagte Kant.

Als Österreicher mit türkischen Wurzeln versuche ich mit meinen kleinen Möglichkeiten bereits seit über einem Vierteljahrhundert, eine verbindende und tragfähige moralische Brücke zwischen dem Christentum, dem Judentum und dem Islam zu bauen. Mir ist es dabei wichtig, dass die Religionen weder politisch, noch wirtschaftlich missbraucht werden.

Die Philosophie des Neue Welt Verlags ist die Verständigung zwischen den Kulturen und Toleranz gegenüber anderen mit Hilfe von Literatur zu fördern. Nur wer sich nicht weiterbildet, hat Angst vor dem Fremden und vor Aufklärung. Literatur hilft dabei, wissend und folglich aufgeklärt und tolerant zu werden. Literatur verschafft uns Zugang zu „neuen Welten“, und zwar im direkten wie im übertragenen Sinn. Wir müssen die Muße zeigen, auch im Unbekannten das Gute zu sehen. Kulturelle oder auch religiöse Unterschiede sollten nicht als Schranken gesehen werden, die zur Abgrenzung dienen. Der Fokus sollte auf dem Gemeinsamen liegen, was wir auch mit diesem Buch zum Ausdruck bringen möchten. So sollen türkische Köstlichkeiten im Spiegel von Kants Gedankenwelt eine kulinarische sowie auch philosophische Bereicherung darstellen.

Ein österreichisches Sprichwort sagt: „Durch’s Reden kommen d’Leut zam.“ In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, geschätzte Leser und Leserinnen, eine genüssliche Lektüre und lade auch Sie zum Brückenbau durch gemeinsames Essen und Trinken und vor allem durch empathische Dialoge zwischen den Menschen, den Kulturen und den Nationen hier in dem Fall mit kantischen Zitate und Sprüche ein!

Birol Kilic, Verleger, Dezember 2018

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[1] Christoph Wilhelm Hufeland: Die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern. Zweyter Theil. Wien und Prag, 1798. S. 156.

[1] Arsenij Gulyga: Immanuel Kant. Aus dem Russischen übertragen von Sigrun Bielefedt. Frankfurt/Main, 1981. S. 196.

[1] Vgl. Immanuel Kant: Von der Macht des Gemüths durch den blossen Vorsatz seiner krankhaften Gefühle Meister zu seyn, von I. Kant. Ein Antwortschreiben an Hrn. Hofr. und Professor Hufeland. In: Journal der practischen Arzneykunde und Wundarzneykunst 5 (1797), 4, S 701–751, hier: S. 729.

[1] Johann Friedrich Herbart (Hg.): Immanuel Kants Anthropologie in pragmatischer Hinsicht. Vierte Originalausgabe mit einem Vorwort von J.F.Herbart. Leipzig 1833. S.241.

[1] Vgl. https://www.spektrum.de/lexikon/geographie/kant-immanuel/3975.

[1] Immanuel Kant: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? In: Berlinische Monatsschrift, 1784, H.12. S. 481–494.

Bedeutende Werke Kants

1755: „Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels oder Versuch von der Verfassung und dem mechanischen Ursprunge des gesamten Weltgebäudes nach Newtons Grundsätzen“
1781: „Kritik der reinen Vernunft“
1784: „Was ist Aufklärung?“(Artikel in der freigeistigen „Berlinischen Monatsschrift“)
1785: „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“
1788: „Kritik der praktischen Vernunft“
1794: „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“
1795: „Zum ewigen Frieden“

Immanuel Kant: „Zum ewigen Frieden“ (1795)

Der Fanatiker „ist eigentlich ein Verrückter von einer großen Vertraulichkeit mit den Mächten des Himmels. Die menschliche Natur kennt kein gefährlicheres Blendwerk“.

Immanuel Kant: „Versuch über die Krankheiten des Kopfes“ (1764)

„Da die Art, wie Staaten ihr Recht verfolgen, nur der Krieg sein kann – so muss es einen Bund von besonderer Art geben, den man den Friedensbund nennen kann …“

Immanuel Kant: „Zum ewigen Frieden“ (1795)

„Gemütsarten, die ein Gefühl für das Erhabene besitzen, werden durch die ruhige Stille, wenn das zitternde Licht der Sterne durch die braunen Schatten der Nacht hindurchbricht, allmählich in hohe Empfindungen gezogen.“

Immanuel Kant: „Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen“ (1764)

„Erhaben ist also die Natur in derjenigen ihrer Erscheinungen, deren Anschauung die Idee ihrer Unendlichkeit bei sich führt.“
Immanuel Kant: „Kritik der Urteilskraft“ (1790)