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Neues Buch: Kant kocht türkisch

Kant und die Kritik der Kochkunst

Komplexer Denker, der Freunde, Essen und Trinken schätzt

Als Neue Welt Verlag freuen wir uns sehr, die wahre Entstehungsgeschichte der kritischen Philosophie Immanuel Kants im Spiegel der türkischen Küche mit dem Titel „Kant kocht türkisch“,herauszugeben. Kant (1724–1804) würde im Jahre 2024 dreihundert Jahre alt werden. Über ihn wird es in den nächsten Jahren viel zu lesen und zu hören geben. Der 300. Geburtstag des Königsberger Philosophenam 22. April 2024 wird zumindest gedanklich vielerorts schon vorbereitet und wir,als Neue Welt Verlag aus Wien,haben schon im vergangenen Jahr ein Buch über Kant mit dem Titel „Kants Wanderung über das Nebelmeer“herausgegeben.

http://neueweltverlag.at/einladung-neues-buch-kants-wanderung-ueber-das-nebelmeer/

„Der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir“

Dieses Mal möchten wir den größten Denker und eigentlich den Begründer der modernen Philosophie mit dem Buch „Kant kocht türkisch“wieder in Ehren halten und in Erinnerung rufen, besonders seine Moralphilosophie in unserer immer scheinheiliger werdenden Welt. Ist nicht die Scheinheiligkeit aber die Sprache der Korrupten? Gibt es eine Wahrheit ohne Liebe? Ist nicht die Liebe und der „gute Wille“ die erste Wahrheit? Diese Fragen, die auch knapp 300 Jahre später noch von Bedeutung sind, stellte sich Kantwährend seines berühmten Mittagstischesundhatwährenddessen neben Gott und derWelt auch über Moral und Scheinheiligkeit gesprochen.

Das Wort Philosoph setzt sich aus den griechischen Worten „Philos“(Freund) und „Sophia“(Weisheit) zusammen. Kantfügte hinzu: „Jeder Prophet ist auch ein Philosoph,alsoeinFreund der Weisheit. Aber nicht alle Philosophen sind Propheten. Ich bin kein Prophet,mich beschäftigtmehr der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetzin mir.“

Starke Worte. Der kritische Königsberger war tatsächlich ein großer Freund der Weisheit, aber im Herzen auch vor allem ein moralischer Verfechter. Wir möchten bis zum Jahre 2024 mehrere Bücher über Kant herausgebenunddamit seinen,schon zu Lebzeiten erworbenen Ruf,eines „Weltweisen“ erneut in Erinnerung rufen,sowievon seinen zeitlosen Ideen Gebrauch machen. So enthält seine „Kritik der praktischen Vernunft“ eine Lobrede der Pflicht und schließt mit folgenden melancholischen, aber wahren Worten ab: „Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit einer immer neuen Bewunderung und Ehrfurcht: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir

 

Essen und allgemeine Menschenvernunft

Warum aber wird in diesem Buch Kant mit der türkischen Küche in Verbindung gebracht?

Die Antwort findet sich in der Bedeutung,die Essen für den großen Denker hatte, Kants„höchstes moralisch-physisches Gut“: Essen und allgemeine Menschenvernunft“(1).

Alleine zu essen sei laut Kant für einen philosophierenden Gelehrten ungesund. Die Angehörigen einer „Tischgesellschaft“, meint er weiter, müssen nicht nur gemeinsam und nach Maßgabe der Regeln tafeln, sondern vor allem „das geselligeVergnügen, welches die Türken zur Absicht haben“ ist von essenzieller Bedeutung (2). „Schön“ und daher das Symbol des Sittlich-Guten darf eine gemeinsame Mahlzeit nur dann genannt werden, wenn diese ersten beiden Bedingungen an die Dritte geknüpft sind, an die entscheidende, zu der sie in ein symbolisches Verhältnis treten.

In dem Buch „Der gepflegte Umgang“ schreiben Kimmich und Matzat Folgendes:
Kants Überlegungen zum „moralisch-physischen“ Gehalt gemeinsamer Mahlzeiten werden auf diese Weise an die soziale Realität des beginnenden 20. Jahrhunderts, an die „Essgebärden“ dergesellschaftlichen Eliten des Kaiserreichs und ihre hypertroph anmutende ästhetische Stilisierung angepasst und der Tyrannei der Anstandsliteratur, die ihren Lesern einimpft, was „gutes Benehmen“ sei, sich aber in den Verdacht gebracht hat, den von ihr vorbereiteten Normen fehle es an ethischer Fundierung, wird der moralische Grund gewiesen, auf dem sie stehen und bestehen kann.

Kant speiste niemals allein. Nach Meinung des Philosophen sollte man nie alleine essen, denn das bedeute, die Kräfte nicht wiederzubeleben, sondern sie zu erschöpfen: An einem verlassenen Esstisch bleibt man allein mit seinen Gedanken, deren Arbeit nicht stillsteht. Neuen Schwung bringen nur mittafelnde Gäste, deren ungezwungene Unterhaltung ablenkt und zerstreut. Damit jeder am Gespräch teilnehmen kann, darf die Zahl der Geladenen nicht zu groß sein, nach kompetenter Meinung nicht größer als die Anzahl der Musen und nicht kleiner als die der Grazien. Kant wahrte auch in dieser Hinsicht die goldene Mitte: In seinem Haushalt befanden sich nur sechs Gedecke.

Das Tischgespräch ist eine große Kunst: Man muss sich mit allen unterhalten können und nicht nur mit dem Nachbarn (es ist nicht gut, wenn die Gesellschaft in Grüppchen zerfällt); man sollte lange, lastende Schweigeminuten vermeiden (erlaubt sind nur kürzere Pausen), auch nicht von einem Gesprächsgegenstand zum anderen springen (ist das Thema erschöpft, sollte man schnell Nächstliegendes aufgreifen); in Gesellschaft dürfen keine Affekte aufflammen; das Tischgespräch ist ein Spiel und nichts weiter; ist ein ernsthafter Streit entstanden, dann muss er mit Würde und Respekt vor der Meinung des Gesprächspartners geführt werden. Debatten beendet man am besten mit einem Scherz: So werden nicht nur gegensätzliche Ansichten versöhnt, sondern auch durch das Gelächter Verdauungsvorgänge gefördert.

Das war Kants Vorstellung von der „Ästhetik des Gesprächs”, dem er große Bedeutung beimaß und auf dessen Kunst er als Gastgeber sich wohl verstand. Reinhold Bernhard Jachmann berichtete, dass nur derjenige Kant wirklich kennengelernt hat, der ihn im Kreise seiner Gäste erlebte. Kants Kenntnisse wuchsen mit den Jahren ins Unermessliche, und er konnte über jedes beliebige Thema lebhaft und ausgiebig sprechen. Zu seinem natürlichen Witz und seiner Vorliebe für Geselligkeit kam noch die Geschicklichkeit seines Berufs, eine Zuhörerschaft zu beherrschen und dem Gesprächspartner aufmerksam zu lauschen sowie das Bedürfnis, diesem interessant und verständlich sein zu wollen, was ihn zu einem ausgezeichneten Gesprächspartner und Gastgeber machte.

Kant wusste, was für ein Federvieh wir in derSteiermarkhaben 

Wer allerdings daran gewöhnt war, immer im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen, dem konnte die Art Kants, die Seele des Gesprächs zu sein, freilich missfallen. Der Begründer der wissenschaftlichen Türkisch-Osmanistik und österreichische Pionier der Orientalistik Joseph von Hammer-Purgstall,den wir auch mit großemRespekt und Liebeals NeuerWelt Verlagin Erinnerung rufen,hatsich mit einem Empfehlungsbrief Reinholds in jungen Jahren in Königsberg (heute Kaliningrad) aufgehaltenundwar verärgert darüber, dass der Gastgeber keine gelehrten Themen anschneiden, sondern lieber Scherzreden führen wollte.

Den Worten vonJoseph von Hammer-Purgstall zufolge redete Kant unaufhörlich bei Tisch. Laut ihm wusste Kantbesser als er,was für ein FederviehesinderSteiermark gibt, wie das Land aussieht, auf welcher Stufe der Aufklärung der katholische Geistliche steht,bis zum Orient (damals vor allem die Türkei) usw. In alldiesenDingenwidersprachihmKant.

Das Mittagessen war die einzige Mahlzeit, die Kant sich gestattete. Ziemlich reichhaltig, begleitet von gutem Wein (Bier verschmähte Kant), zog es sich bis vier oder fünf Uhr hin. „Er aß nicht nur mit Appetit, sondern mit Sinnlichkeit”, berichtete einer der Gäste (der wohl nicht wusste, dass der Philosoph gewohnheitsgemäß seit knapp vierundzwanzig Stunden nichts gegessen hatte). “Der untere Teil seines Gesichts, die ganze Peripherie der Kinnbacken drückte die Wollust des Genusses auf eine unverkennbare Weise aus; ja sogar einige der geistreichen Blicke fixierten sich so bestimmt auf diesen oder jenen Imbiss, dass er in diesem Augenblicke rein abgeschlossen ein Mann der Tafel war.” (Manfred Kuehn, 2004).Kant liebte es wirklich, gut zu speisen, hatte Sinn für gekonnte Zubereitung und war auf diesem Themengebiet nicht leicht aus dem Felde zu schlagen.Theodor Gottlieb Hippelversichert glaubwürdig, dass Kant eine ‘Kritik der kulinarischen Kunst’ zu schreiben beabsichtigte.(3)

„Es ist nichts im Verstand, was nicht zuvor in den Sinnen war“

Noch etwas Wichtiges:Laut dem gastro-sophischen Magazin „Tartuffel“, welches sich Kants Leitspruch „Es ist nichts im Verstand, was nicht zuvor in den Sinnen war“auf die Fahnen geschrieben hat, führt kein Weg an diesem Mann aus Königsberg vorbei.

In einem Artikel des Magazinsheißt es wie folgt:

„Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch?“Diese Fragestellungen Kants prägen die Philosophie bis in die Gegenwart. Weniger bekannt ist, dass Kant bis zu seinem Tode an dem Problem der Notwendigkeit sinnlicher Erfahrung arbeitete.

„Vom leeren Raum kann es keine Erfahrung, auch keinen Schluss auf das Objekt derselben geben. Von der Existenz einer Materie belehrt zu sein, dazu bedarf ich Einfluss einer Materie auf meine Sinne.“

Kant war ein intellektueller Partylöwe

Denn – dies ist durch das von Universitätsprofessoren gerne verbreitete Bild des knöchernen Senfanrührers aus Königsberg in Vergessenheit geraten – Kant war den sinnlichen Genüssen gegenüber nicht nur aufgeschlossen, sondern auch ein geistreicher Unterhalter mit vielfältigen gesellschaftlichen Verpflichtungen, also in etwa das, was man heute als intellektuellen Partylöwen bezeichnen würde.

Jenseits der 40 angekommen, regulierte Kant seinen Tagesablauf strikt. Fortan ließ er sich von seinem Diener Martin Lampe stets gegen 4:45 Uhr wecken, machte zur festgelegten Zeit einen Spaziergang, studierte, schrieb, hielt seine Vorlesungen und ging pünktlich gegen 22 Uhr zu Bett. Unterbrochen wurde dieser Tagesablauf durch ein regelmäßiges üppiges Mittagessen, zu dem er mit viel Sorgfalt seine Gäste auszusuchen pflegte. Ein ausgedehntes Mahl, gute Weine und eine hervorragende Konversation waren für ihn der Gipfel des Genusses – eigentlich sehr französisch. Dabei sollten seine Tischnachbarn auch witzig und geistreich sein. Aus diesem Grund lud er nur selten die Professorender Fakultät an seinen Tisch, da er die Mehrzahl seiner Kollegen als zu fad und blutleer wahrnahm.“

 Kritik der kulinarischen Vernunft

„Professores sind stehende Wasser, die faul werden“, ließ er über seine Kollegen wissen. Lieber versammelte Kant unterschiedliche Meinungen um seinen Mittagstisch, auf dass hier mit großem Appetit Nahrung für Geist und Körper aufzunehmen sei. So füllten diese Treffen oft mehr als drei Stunden, in denen mindestens drei üppige Gänge aufgetragen wurden. Es versteht sich von selbst, dass Kant, der nur eine Mahlzeit – das Mittagessen – zu sich nahm, großen Wert darauflegte, dass gutes Essen und belebende Konversation Hand in Hand gingen.

Da Kant schon früh beschlossen hatte, ein möglichst langes Leben zu führen, beschäftigte er sich – hierin bei aller Kritik der reinen Vernunft ganz und gar praktischer Philosoph – mit Fragen der richtigen Ernährung und schrieb einen eigenen Kommentar zu dem seinerzeit sehr bekannten Buch „Makrobiotik oder die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern“ von Christoph Wilhelm Hufeland, der auch Goethe, Schiller, Herder und Wieland zu seinen Lektüre-Jüngern zählte.

Kants absolute Leibspeise war Kabeljau. Diesen Fisch nennt man in finnischer Sprache nicht umsonst Turska, was auf kroatisch Türkei bedeutet. Übrigens Kabeljau nennt man in skandinavischenLändern, Schweden, Norwegen, Dänemark Torsk, was auch aus dem Wort Turska geformt wird. Angeblich sind die skandinavischen Götter in der Mythologie, vor allem Odin, mit seinen zwei Wölfen, ein aus Asien stammender türkischer Schamane. Dieserhat die Esskultur mit seinen asiatischen Wurzeln in diese Länder verbreitet, in denen viele Worte türkischenWörter gemeinsam sind, beginnend mit dem Namen, Odin derder Hauptgott in der nordischenund kontinentalgermanischen Mythologieist.Odin ist aus dem türkischen Wort Odun abgeleitet und bedeutet Holz, was den Lebensbaum und die Naturverbundenheit des schamanischen Lebens widerspiegeln. Aber darüber, über denarmen guten schamanischenTürken Odin aus Asien und all seineBeziehungenundseinEssenverhalten, werde ich noch ein Buch mit Quellen desberühmtenWissenschaftlersSven Lagerbrinkin nächster Zeit herausbringen.

Ansonsten nahm Kant,wie sein UrgöttervaterOdin und seine Stämme,gerne deftige, oft mit frischen Kräutern aus dem Orient (der Türkei) gewürzte Speisen zu sich, z.B. pürierte Erbsen mit Fleisch oder vom Hausherrn selbst angerührtem englischen Senf. Nach dem Hauptgang aß er gerne Brot, Butter und Käse. Als Dessert gab es frisches Obst, Kuchen oder Pudding. Zu trinken gab es bei Tisch nur Wasser und Rotwein, mit Vorliebe aus dem Médoc. Nach dem Mahl aber war der Kaffee so selbstverständlich wie die nächste Einladung für wortgewandte Gäste.

Genau an diesem Punkt hätte die von Jürgen Habermas konzipierte „Theorie des kommunikativen Handelns“ ansetzen können, berührt hier doch der redende Esser das sonst unerreichbare „Ding an sich“. So aber steht die von Kant geplante, jedoch nicht mehr realisierte „Kritik der kulinarischen Vernunft“ noch aus. Sie könnte den philosophischen Beweis leisten, dass nichts im Verstand ist, was nicht zuvor in den Sinnen war. Ganz im Sinne Kants, versteht sich.

  1. Jahrhundert: Kants Verbindung zur türkischen Küche

Wir leben im 21. Jahrhundert. In einem Wohlfahrtsstaat haben Menschen mehrere Sorgen: Was sollen wir essen, trinken und sprechen, damit wir gesund (und auch geistlich) bleiben? Wie sollen wir unsere Kinder auf den Bildungsweg bringen, der sie zu einem aufgeklärten (Kant) und mit Verstand und Vernunft agierenden, unabhängigen Menschen macht, welcher auch gegen den Klimawandel und die Umweltzerstörung etwas unternimmt.

Essen, Trinken, Klimawandel, aufgeklärter Menschsein, diese Dinge hängen in unserer globalen Welt mit verschiedenen Kausalitäten zusammen. Im 18. Jahrhundert hat sich Immanuel Kant bei seinen pünktlichen, langen Wanderungen in Königsberg regelmäßig viele Gedanken gemacht und diese anschließend bei Tisch mit Gleichgesinnten sowie auch mit Andersdenkenden besprochen. Mit seinen Wanderungen im Nebelmeer, erzeugte er einen Schmelztiegel an Ideen. Immanuel Kant gilt als einer der bedeutendsten deutschen Philosophen. Mit seinem Werk „Kritik der reinen Vernunft“ (1781) begründete Kant nicht nur die „moderne“ Philosophie, sondern er entwickelte mit der „Kritik der praktischen Vernunft“ (1788) auch die Ethik und natürlich mit dem Buch„Kritik der Urteilskraft“ (1790) die Ästhetik. Sein Denken beeinflusst die Philosophie bis zum heutigen Tag.

Im Jahr 1724 sicherte sich eine preußische Stadt ihren Platz in der Weltgeschichte: Königsberg entstand aus der Vereinigung von Altstadt, Kneiphof und Löbenicht. Im selben Jahr wurde dort am 22. April Immanuel Kant geboren. DasGericht „Königsberger Klopse“ mag wohl auch seinen Anteil daran haben, aber Werk und Leben jenes großen Philosophen sind wohl der Hauptgrund dafür, dass man diese Stadt noch heute kennt.

Türkische Küche und Kant – wo sind die Verbindungen? Wie lässt sich das „aufklären“? Der junge Kant hatte ein geschäftiges und aufregendes Umfeld. Auf seinem Schulweg ins Zentrum der Stadt kam er an vielen Geschäften vorbei. Handelsschiffe aus England und Holland lieferten Produkte aus fernen Ländern, auch Gewürze und Rezepte aus dem Orient, damals die osmanisch türkische Welt, wodurch Kant auch die türkischen Köstlichkeiten kennenlernte. Kant war bekanntlich nie außerhalb seiner Geburtsstadt. Er lernte die Welt über die schöne Hafenstadt selbst kennen, in der er tagtäglich mit Produkten und Menschen aus fernen Ländern, die u.a. aus dem Orient über die Ostsee in die Stadt kamen, konfrontiert war. Dadurch wurde sicherauch sein internationales Denken über das Zusammenleben und die Moralphilosophie beeinflusst. Kant war nicht nur ein Denker, sondern auch ein Mensch, der mit anderen Menschen in seiner Umgebung in regem und stetigem Kontakt war und sehr gerne mit Freunden bei Tisch philosophiert und natürlich auch gegessen und getrunken hat.

Will man Kants Bemühen um Klarheit im Denken auf einen Kern reduzieren, ließe sich vielleicht behaupten, er beschäftigte sich hauptsächlich mit dem Unterschied zwischen Sein und Denken. Dieses Bemühen, in der Wissenschaft klare Unterscheidungen der Vermögen und Bereicheauszumachen, beschäftigte ihn ein Leben lang. Er gründete keine eigene Familie und heiratete auch nicht. Wohl lag das nicht an fehlenden Angeboten. Denn Kants Gabe der leichten, gefälligen und geistreichen Rede fand auch Zuspruch in der Damenwelt. Seine sachkundigen Gespräche mit Frauen über Probleme der Küche kommentierte beispielsweise Kants Zeitgenosse und Schriftsteller Theodor Hippel mit der Forderung nach einer „Kritik der Kochkunst“. Zwar war Kant ein komplexer Denker mit streng getaktetem Tagesablauf, jedoch schätzte er seine Freunde und pflegte das Zusammenkommen mit ihnen ebenso penibel. Eine enge Freundschaft verband ihn etwa mit dem Kaufmann Joseph Green. Die beiden hatten ihre gemeinsamen Gewohnheiten. So war Greens Gartenhaus nach dem Mittagessen Treffpunkt für die Freunde. Oft war es so, dass Green schlief, wenn Kant das Gartenhaus betrat. Er setzte sich dann in einen Lehnstuhl neben den Freund und folgte ihm in den Schlaf. Bankdirektor Ruffmann, der als nächster dazu kam, tat es den beiden gleich, bis letztlich der Schwager von Green, Motherby, dazu stießund allesamt weckte. Bis zum Abend, gegen 19 Uhr – denn dann war es ja an der Zeit für Kants Standardspaziergang, den er am liebsten allein unternahm – blieben die Freunde in angeregtem Gespräch zusammen und kochten gemeinsam,unter anderem auch türkische Gerichte.

Damit passt die Metaphysik Kants hervorragend in die Verlagsphilosophie des Neue Welt Verlags, der dabei helfen soll, die oft vermeintlichen kulturellen Schranken zu überwinden, damit Hass, Vorurteile und Intoleranz endlich der Vergangenheit angehören. Dieser Herausforderung möchten wir uns stellen, auch wenn wir wissen, dass das nicht einfach ist. Wir möchten Brückenbauer zwischen den Kulturen, Religionen und Standpunkten sein. Kant soll hier als gutes Beispiel und als Vorbild dienen. Obwohl er Königsberg nie verließ, knüpfte er doch Verbindungen zu fernen Ländern über die kulinarische Vielfalt, die er in seiner Heimatstadt kennenlernte. Er hieß die Welt und was sie zu bieten hatte willkommen und zeigt uns damit, dass es nicht nötig ist, die Welt zu bereisen, um weltgewandt zu sein. Dafür reicht alleine der Mut, sich auf Neues und bisher Unbekanntes einzulassen.

Marianne Williamson schreibt in ihrem Buch „A return to love“: „Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit.“ Ist es tatsächlich die Angst vor dem Licht, nicht vor der Dunkelheit, die wir philosophisch fürchten? Wir sollten doch vor unserem Licht und vor Anderen keine Angst haben! Dieses Kant-Buch soll uns in diesem Sinne die Angst nehmen, die uns gelegentlich überkommt, wenn wir einen Gedanken nicht ausreichend fassen können, einen Begriff vorschnell abgrenzen oder erst gar nicht verstehen. Kurz, es soll uns auch zum Selbstdenken anregen.

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Zu dieser Aufklärung aber wird nichts erfordert als Freiheit; und zwar die unschädlichste unter allem, was nur Freiheit heißen mag, nämlich die: von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlichen Gebrauch zu machen. […] Leben wir jetzt in einem aufgeklärten Zeitalter? So ist die Antwort: Nein, wohl aber in einem Zeitalter der Aufklärung.“ Diese Worte, die Kant formulierte, sind heute noch genauso aktuell wie zu Lebzeiten des großen Philosophen und sollten viel öfter Beachtung finden.

Abschließend möchte ich noch einen verblüffend zeitlosen Satz des andalusischen Philosophen Ibn Rušd alias Averroës zitieren: „Es scheint, dass wir bei vielen Problemen nicht die Voraussetzungen besitzen, um zu sicheren Erkenntnissen zu gelangen. Dennoch gilt es, hier nach Maß des Vermögens eine Aussage zu treffen. Es ist nämlich nicht ausgeschlossen, dass sich später Dinge ergeben, durch die man Gewissheit wird erlangen können in vielem, wozu uns heute die Möglichkeiten noch fehlen.“

So gesehen ist die Philosophie des Neuen Welt Verlags die Verständigung zwischen den Kulturen und Toleranz gegenüber anderen mit Hilfe von Literatur zu fördern. Nur wer sich nicht weiterbildet, hat Angst vor dem Fremden und vor Aufklärung. Literatur hilft, wissend und folglich aufgeklärt und tolerant zu werden. Literatur verschafft uns Zugang zu „Neuen Welten“, und zwar im direkten wie im übertragenen Sinn.

Ein österreichischesSprichwort sagt: „Durchs Reden kommen d‘Leut zam.“Hier können türkische Köstlichkeiten durch Kants Gedankenwelt sicherlich eine Bereicherung in unserer schönen Heimat Österreich sein.

Ich wünsche Ihnen, geschätzte Leser und Leserinnen, eine genüssliche Lektüre und lade auch Sie zum Brückenbau durch Essen, Trinken und vor allem empathische Dialoge zwischen den Menschen, den Kulturen und den Völkern ein!

Birol Kilic
Verleger, Wien, Dezember 2018

Quellen:
(1) Norbert Hinske.Aufklärung Vol. 5, No. 2, Alltag in der Zeit der Aufklärung: „Kants „höchstes moralisch-physisches Gut“: Essen und allgemeine Menschenvernunft“.Hamburg:Felix Meiner Verlag GmbH.1991. S. 49-58.
(2) Kant 1983: B245 f
(3) Arsenij Gulyga: Immanuel Kant. Aus dem Russischen übertragen von Sigrun Bielefedt, Frankfurt/Main: Insel Verlag, 1981, S. 194-196.