Galizien, Gaza, Gallipoli
Waffenbrüder im Schatten des Krieges mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen
Dieses Werk beleuchtet ausgewählte Kapitel der österreichisch-ungarisch-osmanischen Waffenbrüderschaft im Nahen Osten, in Galizien und im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkriegs (1914–1918). Die historischen Ereignisse werden nach wissenschaftlichen Kriterien und auf Grundlage von Fakten, Daten, Quellen und überprüfbaren Belegen untersucht und dokumentiert.
„Frieden in der Heimat, Frieden in der Welt.“
Mustafa Kemal Atatürk, 1931
„Krieg muss notwendig und lebenswichtig sein. Meine wahre Überzeugung ist: Wenn ich die Nation in den Krieg führe, darf ich in meinem Gewissen keine Qual empfinden. Gegen jene, die sagen: ‚Wir werden euch töten‘, können wir mit den Worten ‚Wir werden nicht sterben‘ in den Krieg ziehen. Solange jedoch das Leben der Nation nicht in Gefahr ist, ist Krieg ein Verbrechen.“
Mustafa Kemal Atatürk, Adana, 16. März 1923
Der Neue Welt Verlag in Wien gibt dieses Buch nicht heraus, um Krieg zu verherrlichen, militärische Gewalt zu romantisieren oder sie nachträglich zu rechtfertigen. Im Gegenteil: Das Werk soll Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, seriösen Journalistinnen und Journalisten, Forschenden sowie historisch Interessierten eine verlässliche Grundlage bieten, um dieses heute wenig bekannte Kapitel der österreichisch-türkischen Geschichte anhand von Quellen kennenzulernen und weiter zu erforschen.
Der Krieg ist zerstörerisch, Frieden ist ein hohes Gut. Doch der Erste Weltkrieg hat stattgefunden, Millionen Menschenleben gekostet, Reiche zum Zusammenbruch gebracht und politische Grenzen sowie Gesellschaften dauerhaft verändert. Viele seiner Folgen wirken bis in die Gegenwart fort.
Dieses Buch möchte deshalb nicht den Krieg feiern, sondern Geschichte dokumentieren. Es fragt, was zwischen 1914 und 1918 geschah, wer beteiligt war, wo österreichisch-ungarische und osmanische Soldaten gemeinsam kämpften und welchen Preis die Menschen dafür bezahlten. Zugleich soll das Werk zur historischen Verständigung zwischen Österreich und der Türkei beitragen und als Ausgangspunkt für weitere wissenschaftliche Arbeiten und öffentliche Bildungsarbeit dienen.
Waffenbrüderschaft zwischen Österreich-Ungarn, dem Osmanischen Reich und Deutschland 1914–1918
Während des Ersten Weltkriegs waren Österreich-Ungarn, das Osmanische Reich und das Deutsche Reich militärische Verbündete.
Österreichisch-ungarische Truppen und Spezialverbände wurden im Osmanischen Reich und im Nahen Osten eingesetzt. Dazu gehörten insbesondere Artilleristen, technische Einheiten, Sanitätspersonal, Kraftfahrkolonnen und weitere militärische Spezialisten. K.u.k. Artilleriebatterien kamen unter anderem bei Gallipoli zum Einsatz; weitere Verbände kämpften später in Palästina und Syrien an der Seite osmanischer Truppen.
Umgekehrt wurde das osmanische XV. Korps 1916 an die galizische Front entsandt. Dort kämpften osmanische Soldaten gemeinsam mit österreichisch-ungarischen und deutschen Verbänden gegen die russische Armee. Viele wurden getötet, verwundet oder erkrankten. Verwundete und kranke osmanische Soldaten wurden auch in Lazaretten der Habsburgermonarchie behandelt. Gräber osmanischer Soldaten befinden sich bis heute unter anderem in Galizien und in Wien.
Diese gegenseitigen militärischen Einsätze gehören zu den weitgehend vergessenen Kapiteln des Ersten Weltkriegs.
Die vergessenen Soldaten von Galizien
Fern von Anatolien kämpften 1916 und 1917 Tausende osmanische Soldaten an der galizischen Front. Das XV. osmanische Korps war dorthin entsandt worden, um gemeinsam mit österreichisch-ungarischen und deutschen Einheiten gegen die russische Armee zu kämpfen.
Viele dieser Männer kehrten nicht mehr in ihre Heimat zurück. Sie fielen auf dem Schlachtfeld, starben an ihren Verwundungen oder an Krankheiten. Andere wurden weit hinter der Front in Lazaretten der österreichisch-ungarischen Monarchie behandelt.
Bis heute erinnern Gräber und Gedenkstätten an diese Soldaten. Auch auf dem Wiener Zentralfriedhof befinden sich Gräber osmanischer Soldaten, die im Zusammenhang mit ihrem Einsatz an der galizischen Front nach Österreich gelangten.
Diese Grabstätten sind keine Orte zur Verherrlichung des Krieges. Sie sind historische Zeugnisse menschlichen Leidens und erinnern daran, wie weit ein Krieg Menschen von ihrer Heimat fortführen kann.
Wo heute Stille herrscht, standen einst junge Menschen unterschiedlicher Sprachen, Religionen und Herkunft gemeinsam in einem Krieg, dessen politische Entscheidungen sie selbst kaum beeinflussen konnten.
Ihre Gräber mahnen mehr als hundert Jahre später vor allem zu einem Gedanken: Frieden ist das wertvollste Erbe, das aus der Erinnerung an Krieg entstehen kann.
Menschen und Einheiten im Mittelpunkt dieses Buches
Das Buch stellt militärische Verbände, Offiziere, Soldaten, Ärzte, Sanitäter, Techniker und andere Beteiligte dieses historischen Kapitels vor.
Es behandelt jene österreichisch-ungarischen Artillerieverbände, die Ende 1915 auf der Halbinsel Gallipoli eingesetzt wurden, ebenso wie Einheiten, die später in Palästina, bei Gaza und in Syrien an der Seite osmanischer Truppen kämpften. Es dokumentiert außerdem Ausbilder, medizinische Helfer und technische Spezialisten sowie die osmanischen Soldaten, die an der galizischen Front eingesetzt waren.
Das Werk greift unter anderem Forschungen und Beiträge von Ismail Tosun Saral zur österreichisch-ungarisch-osmanischen militärischen Zusammenarbeit während des Ersten Weltkriegs auf und stellt diese in einen breiteren historischen Zusammenhang.
Dabei sollen nicht nur Kameradschaft und militärische Zusammenarbeit dargestellt werden. Auch Verluste, Leid, politische Interessen, Fehlentscheidungen und die dunklen Seiten des Krieges gehören zu dieser Geschichte.
Fern von der Heimat – österreichisch-ungarische Soldaten auf osmanischem Boden
Der Erste Weltkrieg führte auch Soldaten der österreichisch-ungarischen Monarchie Tausende Kilometer von ihrer Heimat entfernt in das Osmanische Reich.
Österreichisch-ungarische Artillerieverbände wurden Ende 1915 bei Gallipoli eingesetzt. Später folgten weitere Einheiten nach Palästina und Syrien. Bei Gaza standen k.u.k. Artilleristen gemeinsam mit osmanischen Truppen britischen Streitkräften gegenüber. Hinzu kamen Sanitätseinrichtungen, Werkstätten, Kraftfahrkolonnen und technische Einheiten.
Die Männer kamen aus einer Donaumonarchie mit zahlreichen Völkern, Sprachen und Religionen. Österreicher, Ungarn, Tschechen, Slowaken, Kroaten, Bosnier und Angehörige anderer Nationalitäten dienten in derselben Armee.
Fern von ihrer Heimat teilten sie mit ihren osmanischen Verbündeten Hitze, Hunger, Krankheiten, Verwundungen und die permanente Unsicherheit des Krieges.
Nicht alle kehrten zurück.
Auch ihre Geschichte verdient Erinnerung – nicht als Heldenerzählung, sondern als Teil einer europäischen und nahöstlichen Geschichte, in der politische Bündnisse Menschen aus Mitteleuropa bis an die Dardanellen, nach Palästina und nach Syrien führten.
Mehr als hundert Jahre später sollten diese Spuren nicht dazu dienen, alte Feindbilder wiederzubeleben. Sie sollten daran erinnern, welche Folgen politische Entscheidungen, Nationalismus, Machtkämpfe und Krieg für einzelne Menschen haben können.
Jeder gefallene Mensch, gleich welcher Nation, Sprache oder Religion, war zunächst ein Mensch.
Atatürks Friedensphilosophie
Mustafa Kemal Atatürk kannte den Krieg aus unmittelbarer Erfahrung. Gerade deshalb nahm der Frieden in seinem politischen Denken einen besonderen Platz ein.
Bereits am 16. März 1923 erklärte er in Adana sinngemäß, ein Krieg dürfe nur dann geführt werden, wenn er notwendig und für das Überleben einer Nation lebenswichtig sei. Solange das Leben der Nation nicht bedroht sei, bezeichnete er den Krieg als ein Verbrechen.
1931 formulierte er jenen Grundsatz, der zu einem der bekanntesten Leitgedanken der Republik Türkei werden sollte:
„Yurtta sulh, cihanda sulh.“ – „Frieden in der Heimat, Frieden in der Welt.“
Der Satz verbindet innere Stabilität mit internationalem Frieden. Frieden im eigenen Land und Frieden zwischen den Staaten werden dabei nicht als Gegensätze, sondern als miteinander verbundene Voraussetzungen gesellschaftlicher Entwicklung verstanden.
Vor dem Hintergrund der Katastrophe des Ersten Weltkriegs erhält dieser Gedanke eine besondere Bedeutung.
Ein Buch über Galizien, Gaza und Gallipoli darf deshalb nicht mit der Verherrlichung von Waffen enden.
Es sollte mit der Erinnerung an ihre Folgen enden.
Geschichte muss erforscht und dokumentiert werden. Aus ihr dürfen jedoch keine neuen Feindbilder entstehen.
Die Lehre aus den Schlachtfeldern von gestern sollte nicht der Wunsch nach dem nächsten Krieg sein, sondern die Verantwortung für den Frieden von morgen.
Neue Welt Verlag, Wien, 2025
Neue Welt Verlag
Herausgabe im 2026
Galizien, Gaza, Gallipoli
Waffenbrüder im Schatten des Krieges mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen
Hard,- .und Softcover, 127 Seiten
Neue Welt Verlag, Wien
ISBN: 978-3-9505287-3-2
Preis: 29,90 Euro
